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Iliosakralgelenk-Syndrom: ISG-Schmerzen behandeln

Iliosakralgelenk-Syndrom: ISG-Schmerzen behandeln

Was steckt hinter dem ISG-Syndrom und was kannst Du dagegen tun?

ISG-Schmerzen: Iliosakralgelenks-Syndrom

ISG-Schmerzen, das sind Schmerzen im sogenannten Iliosakralgelenk (manchmal auch Sakralgelenk genannt), stellen eine Sonderform der unteren Rückenschmerzen dar. [1]

Der etwas vage anmutende Name lässt es schon vermuten:

Weil die genaue Ursache schwer zu definieren ist, sprechen Ärzte bei Beschwerden im Iliosakralgelenk oft auch vom sogenannten Iliosakralgelenks-Syndrom oder der Iliosakralgelenks-Blockade. [2]

Das Iliosakralgelenk wird von Experten als (Mit-)Ursache von tiefsitzenden Kreuzschmerzen in bis zu 20-30 Prozent der Fälle gesehen. [3]

In den meisten Fällen aber besteht eher eine Funktionsstörung als eine konkret behandelbare Ursache bei Schmerzen im Iliosakralgelenk. [2]

Einen kurzen Überblick über die wichtigsten Infos erhälst Du im folgenden Video:

Detaillierteres Wissen und Tipps zur Behandlung geben wir Dir in diesem Artikel:

Das Iliosakralgelenk: Der oft unterschätzte Übergang vom Becken zur Wirbelsäule

 

iliosakralgelenk-isg

Das ISG verbindet Beckengürtel und untere Wirbelsäule

Das sogenannte Iliosakralgelenk (ISG, auch genannt Sakralgelenk, Sakroiliakalgelenk oder Kreuzdarmbeingelenk) stellt die Verbindung zwischen unserem Beckengürtel und der unteren Wirbelsäule dar. [4]

Im Gegensatz zu „typischen“ Gelenken wie dem Kniegelenk, dem Ellbogen oder auch der Schulter hat das ISG vergleichsweise wenig Bewegungsspielraum und ist fest durch Muskeln und Bänder fixiert. [4]

Durch seine besondere Lage am Übergang vom Beckengürtel zur Wirbelsäule ist das Iliosakralgelenk besonderen Belastungen ausgesetzt.  [5]

Besonders Belastungen wie kräftige Erschütterungen in Momenten, in denen das ganze Körpergewicht auf einem Bein liegt, stehen im Verdacht den Bandapparat des Beckens besonders zu beanspruchen und so zu Beschwerden im Iliosakralgelenk zu führen.

Ärzte vermuteten bereits Anfang des 20. Jahrhunderts eine der Hauptursachen von unteren Rückenschmerzen im ISG. Doch seit den 1930er Jahren konzentrierten sich Ärzte vor allem auf die Wirbelsäule und Bandscheiben. [6,7]

In der Folge wurden bei Beschwerden im Bereich des unteren Rückens für lange Zeit daher deutlich mehr Untersuchungen und Behandlungen für die Wirbelsäule entwickelt.

 

Wie das Iliosakralgelenk als Ursache von Rückenschmerzen wiederentdeckt wurde

 

Fortschritte in der medizinischen Forschung haben das Iliosakralgelenk nun wieder als mögliche Ursache von Kreuzschmerzen zurück in die Aufmerksamkeit gebracht.

Vor allem neue Erkenntnisse in der Forschung mit medizinischer Bildgebung, aber auch zur Versorgung des ISG mit Nerven trugen dazu bei, das ISG als mögliche Ursache bei Rückenschmerzen wieder häufiger in Betracht zu ziehen. [8,9]

Inzwischen werden Schmerzen des ISG als Diagnose häufig gestellt.

Die Internationale Schmerzgesellschaft IASP erkennt seit einigen Jahren Schmerzen des ISG auch als ein eigenständiges Beschwerdebild an, wofür allerdings das Vorhandensein einiger Untersuchungsbefunde beziehungsweise eine Beschwerdebesserung nach Einspritzen von Schmerzmitteln in das Gelenk die Voraussetzung ist. [10]

Auch die zunehmende Verbreitung von Untersuchungstechniken aus dem Kreis der Manuellen Medizin oder Chiropraktik trägt dazu bei, dass immer mehr Ärzte auch die entsprechenden Untersuchungstechniken anwenden, mit denen der Verdacht auf ein ISG-Syndrom gestellt werden kann.

 

Über das Beschwerdebild zur (Verdachts-)Diagnose ISG-Syndrom

 

Gerade weil ein Iliosakralgelenkssyndrom keine vollständig typischen Beschwerden verursacht, wird die Diagnose oft erst spät gestellt und Betroffene lange Zeit nicht passend behandelt. [11]

Trotzdem gibt es natürlich Hinweise in der Krankengeschichte, die den Verdacht auf das ISG lenken sollten.

So sind zum Beispiel die Schmerzen meistens eher einseitig und liegen neben der Mitte, typischerweise unterhalb der Gürtellinie. [12]

Häufig beklagen Betroffene auch eine Ausstrahlung der Schmerzen in den seitlichen und hinteren Oberschenkel und das Bein – dabei bleibt oft das Kniegelenk von der Schmerzausstrahlung ausgespart.

Eine Häufung von Beschwerden im Bereich des Iliosakralgelenks besteht vor allem in der Schwangerschaft (wohl wegen des in der Schwangerschaft gelockerten Bandapparats im Bereich des Beckengürtels). [13]

Oft kann der Patient selbst auch nahezu punktförmig den Entstehungsort der Schmerzen über dem Iliosakralgelenk mit dem Finger zeigen- dieser Test ist auch als Fortin-Finger-Test bekannt, wird aber selten eingesetzt. [14]

 

So wird das ISG-Syndrom diagnostiziert

 

Wenn der Verdacht auf ein ISG-Syndrom anhand der Krankengeschichte besteht besteht, ist meistens die körperliche Untersuchung der nächste Schritt.

Auch in der körperlichen Untersuchung gibt es, ähnlich wie beim Erheben der Krankengeschichte nicht eine einzelne, zielführende Untersuchung.  [15]

Dennoch kann durch Untersuchen des Gelenks mit einer Reihe von verschiedenen Tests ein Arzt oder Physiotherapeut den Verdacht auf ein ISG-Syndrom oft gut erhärten. [16]

In unklaren Fällen können Ärzte auch die Checkliste der Internationalen Fachgesellschaft IASP heranziehen, um zu entscheiden ob ein ISG-Syndrom vorliegt. Dafür zum einen sind ein passendes Beschwerdebild und ein passender Befund in der körperlichen Untersuchung nötig.

Zum anderen sollte mittels medizinischer Aufnahmen eine sichtbare Veränderung des Gelenks ausgeschlossen sein und die Schmerzen sollten sich bei Einspritzen von Schmerzmittel in das Gelenk deutlich bessern. [17]

Da die letzten beiden Untersuchungen aber sehr ausführlich sind, wird in der Praxis ein ISG-Syndrom sehr oft schon aufgrund des Beschwerdebilds und der Untersuchung diagnostiziert.  

In seltenen Fällen können Schmerzen des Iliosakralgelenks auch auf sogenannte entzündliche Rückenschmerzen hinweisen. Diese Sonderform der Rückenschmerzen kann meistens wieder durch die Zusammenschau von Krankengeschichte und Befunden diagnostiziert werden. [18]

Ausführlichere Untersuchungen wie medizinische Bildgebung, Laboruntersuchungen oder eine Einspritzung in das Gelenk zum Zweck der Diagnose werden nur bei länger bestehenden Beschwerden notwendig.

 

Wie wird das Iliosakralgelenkssyndrom behandelt?

 

In den meisten Fällen bessern sich Beschwerden im Bereich des ISG recht rasch von selbst.

Deshalb reicht es häufig aus, einige Tage die Belastung etwas zu senken und Schmerzmittel einzunehmen.  [3]

Pausieren sollte man insbesondere Belastungen und Sportarten, die mit Einbeinstand einhergehen wie beispielsweise Joggen, Kegeln- aber auch Treppensteigen. Denn im Einbeinstand liegt deutlich mehr Belastung auf dem ISG. [19]

Wenn sich die Beschwerden nicht bessern, helfen häufig Krankengymnastik, Manuelle Therapie und Wärmen.  [3]

Wenn sich durch ausführliche Bewegungstherapie die Beschwerden nicht bessern, kann die Behandlung mit Einspritzen von Schmerzmitteln und auch Kortison in das Gelenk oft eine Besserung erzielen. [20]

Mit diesen Mitteln bessern sich die Beschwerden der meisten Betroffenen.

Nachdem sich die Beschwerden gebessert haben, ist es wichtig darüber nachzudenken, das Auftreten weiterer Episoden zu verhindern.

Vor allem Krankengymnastik kommt hier eine entscheidende Rolle zu. Denn die richtigen Übungen tragen dazu bei, eine gesunde Muskulatur aufzubauen.

Vor allem die Kräftigung der Becken-stabilisierenden Muskulatur wie beispielsweise dem Glutaeus maximus, aber auch der sogenannten Hüftstrecker werden empfohlen. [19,3]

Auch die Dehnung der sogenannten Hüftbeuge-Muskeln (z.B. des M. iliopsoas) hilft dabei, die Beckenachse wieder gerade einzustellen und trägt so dazu bei, weniger Belastung auf das ISG auszuüben.  Denn häufig findet sich bei Patienten mit ISG-Syndrom eine Verkürzung der sogenannten Hüftbeuger, die zu einer Verkippung der Beckenachse mit vermehrter Belastung im ISG führen kann.

Mit Bewegung und Übungen bei Schmerzen im Iliosakralgelenk selbst für die Gesundung aktiv zu werden, kann also viel zur Beschwerdebesserung beitragen.

Dabei kann die Medizin-App Kaia behilflich sein. Die App vermittelt zahlreiche Übungen, die bei ISG-Schmerzen besonders empfehlenswert sind. Dazu zählen Übungen zur wirksamen Kräftigung der Becken-stabilisierenden Muskulatur wie dem Glutaeus maximus und dem  Hüftstrecker. Die App erstellt ein individuelles Trainingsprogramm und zeigt zeigt täglich einen optimalen Mix aus Übungen für einen rundum gesunden Rücken.

Quellen und wissenschaftliche Studien
[1] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25552445
[2] https://link.springer.com/article/10.1007/s15006-017-9218-0
[3] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2138334
[4] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16700283
[5] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=scholten+human+pelvis+1988
[6] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=smidt+spine+1997
[7] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24074509
[8] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9127920
[9] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=fortin+falco+1999
[10] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmedhealth/PMH0027059/
[11] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=10724079
[12] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17117004
[13] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20605556
[14] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=PMID%3A+9247654
[15] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19101212
[16] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11898017
[17] http://www.crd.york.ac.uk/CRDWeb/ShowRecord.asp?ID=12009104360
[18] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19147614
[19] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12855929
[20] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8708047

 

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


Stephan Huber
stephan@kaia-health.com